Portugal auf Wachstumskurs

27.07.17 AHK-Wirtschaftsnews

Portugals Wirtschaftswachstum legt 2017 einen Gang zu, da sich die Auslandsnachfrage und die Anlageinvestitionen der Unternehmen sehr dynamisch entwickeln. Die Zentralbank geht von einer Ausweitung des Bruttoinlandproduktes um 2,5% aus. Etwas verhaltener nimmt der private Verbrauch zu. Der graduelle Abbau der hohen externen Verschuldungsrate setzt sich fort. Vertrauensbildend wirkt, dass die EU das exzessive Defizitverfahren gegen Portugal im Juni 2017 einstellen konnte.

Wirtschaftlich schrieb Portugal zur Jahresmitte gleich eine ganze Reihe von guten Nachrichten. Der Indikator der Wirtschaftseinschätzung (ESI) kletterte im 1. Quartal auf ein Neunjahreshoch und zeigte ein hohes Vertrauen in Industrie, Dienstleistungssektor, Baugewerbe, Einzelhandel und bei den Verbrauchern an. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) überraschte mit einem realen Zuwachs von 2,8% gegenüber dem 1. Quartal 2016. Einen solchen Wachstumssprung hatte es zuletzt 2007 in einem Quartal gegeben. Die Erholung auf wichtigen Märkten im Verbund mit der in der Krise zurückgewonnenen Wettbewerbsfähigkeit beflügelt Exporte und Anlageinvestitionen.

Das Vertrauen der Verbraucher wird durch den Zuwachs der Beschäftigung und sinkende Arbeitslosigkeit gestärkt. Auf das Vertrauen der Investoren wirkt sich die Haushaltsdisziplin der Regierung positiv aus. Diese hat das Staatsdefizit 2016 auf -2% des BIP gesenkt (2015: -4,4%) und strebt in ihrem Stabilitätsplan 2017 bis 2021 weitere Reduzierungen an, bis hin zu einem Überschuss am Ende der Periode. Die erfolgreiche Korrektur hat die EU-Kommission veranlasst, das Verfahren wegen exzessiven Defizits, das seit 2009 gegen Portugal anhängig war, im Juni 2017 einzustellen.

Da der Staat sparsam haushalten muss, wächst sein Verbrauch mit einer Null vor dem Komma weiterhin nur reduziert. Die Ausgabenbereitschaft der Familien bleibt hoch - durch die erfreuliche Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und eine Zuversicht, die Mitte 2017 an historische Hochphasen heranreichte. Die Arbeitslosenrate sank im April weiter auf 9,5%.

Während 2016 ein schwaches Jahr für den portugiesischen Außenhandel war, begann 2017 mit zweistelligen Zuwachsraten. Geht es nach dem Wirtschaftsministerium sind die Wareneinfuhren von Januar bis April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nominal um 14,2% auf 22,0 Mrd. Euro gestiegen. Die Ausfuhren nahmen um 12,8% auf 18,2 Mrd. Euro zu. Portugal spürt die Erholung der Nachfrage auf wichtigen Drittmärkten, wie Angola, Mosambik und Brasilien. Den Rückgang auf diesen Märkten hatte 2016 die EU kompensiert, die drei Viertel des portugiesischen Warenausfuhrwertes abnahm.

Gemessen am exportierten Warenwert blieben Maschinen und ihre Teile (einschließlich elektrische) auch von Januar bis April 2017 die wichtigste Ausfuhrkategorie (15,5%), gefolgt von chemischen Erzeugnissen (13,1%), Agrar- und Nahrungsmitteln (12,2%), Straßenfahrzeugen (10,6%) sowie Textilien, Bekleidung und Accessoires (9,8%). Auf der Importseite dominieren chemische Erzeugnisse (16,6%), Maschinen (16,4%), Agrar- und Nahrungsmittel (14,9%) sowie Straßenfahrzeuge (13,0).

Deutschland ist drittwichtigster Absatzmarkt nach Spanien und Frankreich, aber nach Spanien zweitwichtigster Bezugsmarkt. Deutsche Anbieter konnten von Januar bis April 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum ihre Lieferungen nach Portugal um 15% auf 3,0 Mrd. Euro ausbauen. Die Perspektiven sind positiv.

 

Quelle: German Trade & Invest