Portugals Finanzaufsicht wirbt um ausländische Finanzinstitutionen

09.10.18 AHK-Wirtschaftsnews

Portugals Zentralbank „Banco de Portugal“ (BP) und die Börsenaufsichtsbehörde CMVM haben eine gemeinsame Aktion gestartet, um internationale Finanzinstitute und Investoren angesichts des bevorstehenden Brexit nach Portugal zu holen.

„Wir wollen bürokratische Hürden bei der Registrierung von Finanzunternehmen in Portugal abbauen,“ sagte BP-Vorstandsmitglied Hélder Rosalino anlässlich der öffentlichen Vorstellung der Initiative. Dazu gehört auch ein neuer Leitfaden, der den Investoren erklärt, wie man sich registriert und wie Informationen an die Finanzaufsichtsbehörden weitergeleitet werden sollen. Eine Arbeitsgruppe der beiden Institutionen und weiterer Finanzverbände hat im Rahmen der Regierungsinitiative „IN“ einen neuen Maßnahmenkatalog erstellt, um bessere Investitionsbedingungen in Portugal zu schaffen.

Konkret sollen BP und CMVM ein gemeinsames Email-Account verwalten, über das die Registrierung von Finanzunternehmen abgewickelt werden soll. In beiden Institutionen werden spezielle Teams geschaffen, die den Prozess begleiten. Amtssprache ist Englisch. Durch die Festlegung von neuen maximalen Zeitlimits bei der Bearbeitung, sollen die Finanzaufsichtsbehörden gezwungen werden, schneller auf Anträge zu antworten. Die Zentralbank muss innerhalb von drei Monaten eine Autorisierung prüfen und hat weitere drei Monate Zeit für die Registrierung. Die Aufsichtsbehörde CMVM verpflichtet sich, innerhalb von 30 Tagen eine Registrierung zu bearbeiten. „Beide Institutionen werden die Anfragen möglicher Bewerber so schnell wie möglich prüfen,“ sagte Filomena Oliveira, Vize-Präsidentin der CMVM.      

Der Staatssekretär für Steuerfragen, António Mendonça Mendes, hob hervor, dass der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union als Beispiel dienen solle, wie man auf eine schlechte Nachricht antworten und daraus eine Chance machen sollte. „Die Regierung hält den Brexit für eine schlechte Entwicklung. Aber wir müssen die Möglichkeiten nutzen, die aus dem Brexit für das gesamte Finanzsystem entstehen. Portugal bietet gute Bedingungen  für innovative Unternehmen. Sollte der Finanzplatz London an Zugkraft verlieren, sollten wir nicht in die nächste Abhängigkeit zu einem anderen Finanzzentrum geraten. Wir müssen uns in Portugal auf unsere Stärken konzentrieren, um mehr Finanzinvestoren ins Land zu bringen: Unser Humankapital, die Effizienz der Steuerbehörde, ein gutes Klima für Unternehmen, hohe Sicherheit und die derzeitige Wachstumsphase.“ Der Staatssekretär räumte jedoch ein, dass Portugal noch Hausaufgaben zu erledigen habe, um die Attraktivität des Finanzplatzes zu stärken.

 

Quelle: Dinheiro Vivo