Tourismus-Boom: Portugal zeigt sich vielfältig

18.01.18 AHK-Wirtschaftsnews

Der Tourismus ist die treibende Kraft des portugiesischen Wirtschaftsaufschwungs. Im Jahr 2017 sollen nach Schätzungen der staatlichen Behörde „Turismo de Portugal“ 22 Millionen Gäste ins Land gekommen sein und damit 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch es kommen nicht nur mehr Touristen. Sie bleiben auch länger und geben mehr Geld in Portugal aus: Die Einnahmen stiegen um 19,4 Prozent an. In den Hotels sind 10 Prozent mehr Gäste zu verzeichnen, die Einnahmen stiegen hier um 20 Prozent.

Innerhalb von eineinhalb Jahren hat der Tourismus rund 60.000 Arbeitsplätze geschaffen und machte bereits sieben Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus. 

Branchenvertreter weisen darauf hin, dass ein wichtiger Faktor für den Boom die internationalen Tourismuspreise seien, die Portugal bzw. Lissabon in den vergangenen Jahren gewinnen konnte, darunter die Auszeichnung „Bestes Reiseziel der Welt“ und „Bester City-Break“ (World Travel Awards).    

Doch nicht nur klassische Ziele wie die Algarve-Küste im Süden oder die Großstädte profitieren von dem Boom, sondern auch Orte im Landesinneren. Mit „Portuguese Trails“ ist ein Programm gestartet worden, um mehr Touristen fürs Wandern und Fahrradfahren zu gewinnen. Die Staatssekretärin für Tourismus, Ana Mendes Godinho, weist darauf hin, dass der Sektor eine wichtige Rolle in Portugal spielt: „Der Tourismus muss sich weiter auf das ganze Land ausweiten und damit dafür sorgen, dass auch weniger entwickelte Regionen im Landesinneren von dem Boom profitieren können.“

Traditionell war Portugal sehr abhängig von britischen Touristen. Das hat sich auch geändert: Bis Oktober kamen die Gäste aus Großbritannien (1,79 Millionen), Spanien (1,5 Millionen), Frankreich (1,22 Millionen), Deutschland (1,17 Millionen) und Brasilien (750000). Die Branche bemühe sich nun vor allem um das Anwerben von nicht-europäischen Touristen, sagt Luís Araújo, Präsident von Turismo de Portugal: „Wir schauen nach Kanada, China, Südkorea und in die USA.“    

Auch die Fluggesellschaft TAP bemüht sich verstärkt um Märkte außerhalb Europas. Schon jetzt machen die Flüge in die USA und nach Brasilien zusammen fast ein Drittel des Geschäfts aus. 

Der Tourismus-Boom verlangt auch nach einem Ausbau der Kapazitäten in der Hotellerie, sagt Rui Martins, Präsident des Hotelverbandes AHP: „Wenn wir unser Hotel-Angebot nicht an die steigende Nachfrage anpassen, könnte der Boom bald vorbei sein.“ Im Jahr 2018 sollen in Portugal 66 neue Hotels eröffnet werden, ein Drittel davon in Lissabon.  

Die portugiesische Regierung rechnet bis 2027 mit einem jährlichen Wachstum der Tourismusbranche von vier Prozent. Staatssekretärin Ana Mendes Godinho betont, dass die Berufsqualifizierung eine neue Priorität gewinnt: „Je besser die Arbeitnehmer ausgebildet sind, umso wichtiger werden sie für die Unternehmen.“

 

Quelle: Diário de Notícias