Unternehmen in Portugal erwarten mehr Aufträge

27.07.17 AHK-Wirtschaftsnews

Mit wachsender Produktion und Beschäftigung steigt auch der Optimismus in Portugal. Portugals Frühindikator zum Wirtschaftsklima hat sich in allen Segmenten weiter erhöht. Besonders die verarbeitende Industrie war im 1. Quartal 2017 deutlich zuversichtlicher als ein Jahr zuvor. Zu Investitionen tragen politische Stabilität, gute Exportperspektiven, günstige Finanzierung und die schnellere Vergabe von EU-Förderung bei. Es besteht hoher Bedarf, die Energie- und Prozesseffizienz sowie die Produktivität zu erhöhen.

Der Produktionsindex des portugiesischen Maschinenbaus (NACE 28) ist laut Fachverband Aneme in den zwölf Monaten bis März 2017 im Vorjahresvergleich weiter gestiegen um 1,3%. Von Januar bis April 2017 hellten sich laut Statistikamt die Exportperspektiven auf, mit einem Zuwachs um 10,8% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Portugals Chemiebranche gehört zu den exportstärksten der Industrie und nutzt 2017 den Aufwind im Auslandsgeschäft. Die Ausfuhren zogen von Januar bis April im Vorjahresvergleich um 12% an, besonders intensiv bei organischen Chemikalien und Arzneimitteln.

Der Wandel des Energiemarktes hin zu erneuerbaren Quellen setzt sich fort - unter Betonung der reichlich vorhandenen, aber noch kaum genutzten Sonnenenergie. Experten sehen die Netzparität als gegeben, was durch die Planung großer Solarkraftwerke zu Marktkonditionen bestätigt wird (360 MW sind bereits lizensiert, weitere 1,7 GW im Prozess). Die vorteilhafte Regelung des Eigenverbrauchs bringt seit 2015 gute Geschäfte. Netzwerkbetreiber REN investiert in Ausbau und Stärkung der Übertragungsnetze, Stromkonzern EDP bis 2018 in 2 Mio. intelligente Zähler, Sonorgas in den Gasnetzausbau. Iberdrola baut drei Wasserkraftwerke am Fluss Tâmega. Portugal hat 2016 nach Spanien mehr Energie exportiert als je zuvor und dringt auf neue Absatzmärkte.

Portugals Bauproduktion startet laut Dachverband Fepicop 2017 einen neuen Wachstumszyklus. Ausgehend von anämischem Niveau nach neun Jahren des Rückgangs könnte sie um 2,6% zunehmen. Programme bei Schulen, Schienenwegen, Häfen, Stadt- und Straßensanierungen reichen oft bis 2020. Der Wohnungsbau wächst weiter lebhaft mit einem Anstieg der Baugenehmigungen im 1. Quartal 2017 um 50%, der genehmigten Fläche um 35%.

Portugals Kfz-Produktion hat von Januar bis Mai 2017 um 5% auf fast 68.000 Fahrzeuge zugenommen. Jeder der vier Hersteller am Standort trug zum Wachstum bei. Die Produktion wird stark durch das wichtigste Werk, Volkswagen Autoeuropa, bestimmt. Dessen Fertigung des Golf-SUV T-Roc ab August 2017bringt einen entscheidenden Impuls und könnte seinen Ausstoß 2018 auf 230.000 Fahrzeuge steigern (170% mehr als 2016). Gute Nachrichten auch bei Komponentenherstellern. Sie erzielten 2016 einen Umsatzrekord (+7% auf 9,0 Mrd. Euro).

Die sechs Buchstaben POSEUR sind der Schlüssel zu einer neuen Dynamik in Portugals Wasser- und Entsorgungswirtschaft. So lautet die Abkürzung des Programms Nachhaltigkeit und effiziente Ressourcennutzung, aus dem Projekte der Entsorgung-, Wasser- und Abwasserwirtschaft bis 2020 mit 940 Mio. Euro an EU-Mitteln unterstützt werden. Und: Portugal wird Sitz eines UN-Exzellenzzentrums für PPP-Projekte der Wasser- und Abwasserklärung.

Portugals Agrar- und Ernährungswirtschaft wächst vor allem im Export und hat ihre Ausfuhren von Januar bis April 2017 um 15% weiter kräftig gesteigert (2016: +3,3 auf 6,6 Mrd. Euro).

Portugal gehört zu den Ländern mit den höchsten Lithiumreserven. Diese zu bestimmen und in einer Wertschöpfungskette zu nutzen ist Anliegen der Regierung. Eine Arbeitsgruppe Lithium hat im Mai 2017 ein Programm zur Bergbauförderung vorgeschlagen und die Errichtung einer Pilotanlage zur industriellen Demonstration. Allein 2016 sind 30 Anträge zu Lithiumexplorationen eingegangen. Als batteriefähig schätzt die australische Dakota Minerals die von ihr geförderten Lithiumproben ein und plant 360 Mio. Euro in eine Verarbeitung in Montalegre zu investieren. In der Nähe ist auch die britische Savannah in der Lithium-Exploration aktiv. Kanadas Somincor will 250 Mio. Euro in die Erweiterung des Zinnabbaus investieren und das türkische Unternehmen Esan In die Erkundung von Zinn- und Kupfervorkommen.

 

Quelle: German Trade & Invest